Museum

Ungeachtet dessen, dass in Deutschland bereits mehr als drei Millionen Russlanddeutsche leben und vollwertige Bürger dieses Landes sind, gibt es bisher nur ein einziges Museum zu ihrer Geschichte und ihrem kulturellen Erbe. Es befindet sich in Detmold und wurde 1988 auf Initiative der Aussiedler selbst gegründet. Die Leiterin des Museums ist eine professionelle Historikerin, Dr. Katharina Neufeld, die dem Museum in vielerlei Hinsicht sein heutiges Gesicht gegeben hat und dieser Arbeit ihre ganze Freizeit widmet. Katharina Neufeld hat die Staatliche Universität Samara absolviert, dort ihre Dissertation verteidigt und ihre wissenschaftliche Laufbahn begonnen. Seit mehr als 10 Jahren lebt sie in Deutschland, sie spricht hervorragend, sogar akzentfrei Deutsch und verfügt über große Erfahrungen in der Museums- und Archivarbeit.

Im Laufe der Zeit wurde eine einzigartige Exposition zusammengetragen, die über den historischen Weg der deutschen Minderheit in Russland berichtet, es wurde eine Bibliothek eingerichtet, seltene Dokumente und Fotos sowie Alltagsgegenstände, die aus verständlichen Gründen besonders schwer zu finden waren, werden sorgsam gehütet. In dieses Museum kann man kommen, um zu verstehen, wie die Deutschen in Russland gelebt, was sie erlebt und in welcher Tradition sie ihre Kinder großgezogen haben. Die Sammlung, die in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen wurde, sämtliche „Krümchen der Geschichte“ sind auch deshalb von besonderem Wert, weil es eigentlich niemanden gegeben hat, der sie hätte bewahren und sammeln können: In der Stalinzeit wurde praktisch Museum Detmold Die Bibliothek.JPGdie gesamte Intelligenz aus den Reihen der Russlanddeutschen aus Gründen der Nationalität ausgerottet. Katharina Neufeld sagt dazu: „Das Museum wurde auf Initiative des Russlanddeutschen Otto Gertel gegründet. Er brachte seine gesamte Energie und Überzeugungskraft in die Verwirklichung dieses, wie es damals schien, aussichtslosen Unterfangens ein. Jetzt steht in unserem Museum eine Büste Otto Gertels, denn dieser wunderbare Mensch weilt nicht mehr unter uns.“

Das Museum hat verschiedene Ausrichtungen: Geschichte, Ethnographie, Kultur, Kunst. Die Räumlichkeiten sind im Moment leider zu klein, doch aus dem „Reich“ von Katharina Neufeld möchte man nicht wieder gehen – man möchte solange wie möglich verweilen, alles lesen, ansehen, die so vertrauten Alltagsgegenstände berühren. Der historische Abschnitt von den Zeiten Katharinas II. bis zum Beginn der Massenausreise „zurück“ nach Deutschland zu Beginn der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde gründlich untersucht und dargestellt. Besondere Aufmerksamkeit erfährt die tragischste Seite der Geschichte, die Massenrepressalien und der unerklärte Völkermord an den Russlanddeutschen in der Sowjetzeit: es gibt Dokumente und Berichte von Augenzeugen, Bilder professioneller Künstler und von Amateuren. Besonders eindrücklich sind die originellen Bilder von Andreas Prediger, der die Stalinlager selbst erlebt hat (vor kurzem ist er 80 Jahre alt geworden).

Besonders erfolgreich war die 2005 in Paderborn durchgeführte große Ausstellung unter dem symbolträchtigen Titel „Auf Augenhöhe: Deutsche aus Russland zwischen Hoffnung und Vorurteil“, die ein breites inhaltliches Spektrum abdeckte. Das Konzept dieser Ausstellung wurde unter anderem von Katharina Neufeld erarbeitet und ausgeführt.